Frühchengeschichten

Liebe Eltern, 

 

wir würden uns freuen, an dieser Stelle Berichte von der Anfangszeit euer Kinder mit anderen Eltern zu teilen. Wie auch die bebilderten Kurzberichte auf der Station könnten diese Geschichten anderen Eltern Mut machen, die erst seit kurzen mit der neuen Situation umgehen und die ersten anstrengenden Monate noch vor sich haben. Wenn Ihr Lust habt, euch daran zu beteiligen, schickt uns doch eure Geschichte per Mail, gerne auch mit Bildern an folgende E-Mail-Adresse: [email protected]

"Kleene" *April 2000

Liebe Frühchen-Eltern,

 

mit meiner Geschichte möchte ich Euch allen ein bisschen Mut machen:

Meine Tochter ist am 7.4.2000 um 13.15  Uhr in der Uniklinik Köln geholt worden in der 24.SSW +4 aufgrund einer Gestose (Schwangerschaftsvergiftung). Sie war 29 cm groß und wog 515 Gramm. Wie viele bange Tage und Nächte habe ich am Inkubator gesessen? Ich weiß es nicht mehr. Vieles aus dieser Zeit habe ich wohl auch verdrängt. Mehrere Male wurde überlegt, doch die Maschinen abzuschalten, weil ein so kleines Würmchen es kaum schaffen könne, zu überleben. Jedes Mal ist dem Super Ärzte-Team doch noch eine Medikation eingefallen, mit der man es noch mal versuchen könne. Und ich habe jedes Mal - nach reiflicher Überlegung, was das Beste für mein Kind ist - zugestimmt. Im Alter von 4 Wochen (da hatte sie bereits nur noch die Atemhilfe, keinen Tubus mehr) ist mein kleines Mädchen im Inkubator von jetzt auf gleich komplett blau gewesen; die Ärzte und Schwestern brauchten dann 2 Stunden, um sie wieder zu stabilisieren. Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht wusste und erst einige Zeit später erfuhr, ist die Tatsache, dass sie für kurze Zeit klinisch tot war und zurückgeholt wurde.

Im Jahr 2000, also vor 17 Jahren, waren die medizinischen Möglichkeiten noch nicht ganz so ausgereift wie heute, so dass mir damals gesagt wurde, dass aus dieser Alters- und Gewichtsklasse nur 30 % überhaupt überlebten, und von diesen 30% wiederum 70% nur mit schwersten körperlichen und/oder psychischen Schäden.

Mit viel Angst, Geduld, Liebe, Therapien, Ärzten und Schwestern, großer Freude über kleine und ganz kleine Erfolge, Tränen, Schweiß und Leid ist es mir (alleinerziehend) eine große Freude, Euch allen mitzuteilen, dass meine Kleene nun bald 17 Jahre alt wird, außer Neurodermitis und Morbus Meulengracht (Enzym für Bilirubinabbau fehlt, was zur Folge häufige starke Übelkeit hat) nichts, aber auch gar nichts mehr davon übrig behalten hat und wir sehr, sehr glücklich darüber sind.

 

Liebt Eure Minis, haltet sie, känguruht, was das Zeug hält!!!

 

Ich wünsche allen Frühchen-Eltern, dass sie und ihre Minis ein langes glückliches Leben miteinander haben können!

 

Ich bete für Euch alle

Herzliche Grüße

Brigitta Torsy aus Köln

Ronja *2010

Hallo zusammen, 

wir sind Torsten, Ina und Ronja. Zum Thema Frühchengeschichten könnten wir einen kleinen Beitrag leisten. 

Unsere mittlerweile fast 4-jährige Tochter Ronja ist in der 30. Woche zur Welt gekommen ist. Leider war das auch noch in unserem letzten Urlaub "bevor es richtig losgehen sollte". 

 

Sie wollte halt schon früher raus und somit ging es dann auch früher los. Da wir 400 Kilometer von zu Hause entfernt waren, konnten wir nicht mal eben wieder zurück und waren deshalb 47 Tage auf die Hilfe anderer angewiesen. Die Uniklinik Lübeck und das Ronald Mc Donaldhaus Lübeck hat uns liebevoll aufgenommen und so lange versorgt, bis unsere Kleine groß genug war um die Strecke nach Hause zu schaffen. 

Diese Tage waren mit Sicherheit die tollsten aber auch schwersten Tage unseres Lebens. Tränen sind literweise geflossen, Tränen der Freunde und der Trauer. Neue Freundschaften wurden geschlossen und mit etwas Wehmut haben wir Lübeck letztendlich den Rücken gekehrt. 

Natürlich waren die Verwandten und Bekannten immer wieder gespannt auf Neuigkeiten. Ist sie größer und schwerer geworden? Wie geht es ihr, wie geht es uns? Und so weiter .... 

 

Ich habe damals einen Blog eingerichtet und jeden Tag etwas geschrieben, was alle Daheimgebliebenen auf den neusten Stand bringen sollte. Das Ganze aus der Sicht unseres Kindes. Nach zirka einem Jahr habe ich gemerkt, dass es wunderschön ist in der "Vergangenheit" zu blättern und habe deshalb den damals angefangenen Blog weitergeführt. Bis heute. ich schreibe nicht mehr täglich, aber die schönsten Gedanken und Anekdoten unserer Familie muss ich einfach aufschreiben, denn viel zu schnell ist alles wieder vergessen. 

 

Den Blog aus der Lübeckzeit habe ich natürlich übernommen. Vielleicht hilft es jemandem, wenn er unsere kleine Geschichte liest.

 

Viele Grüße 

Familie Volmer 

Kontakt

Känguruh e.V.

 

Geschäftsstelle:

Karin Decker

Am alten Rathaus 9

53797 Lohmar

 

MAIL: [email protected]